Freitag, 1. Dezember 2017

Buch-Zitat des Tages

aus: "Nur ein Wort - Seulement une parole" von Christina Talberg (S. 63f.)

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"Dein Herd war aus", ruft Nat mir entgegen, "deine Handtasche ist spurlos verschwunden, und hier", sie gibt mir einen Brief. "Der war in deinem Briefkasten."

"Nat, hast du noch ein Aspirin?" Mein Kopf dröhnt wie eine Autobahn, und die Schrift auf dem Umschlag flimmert vor meinen Augen.

(...)

Es ist, als würde ich statt auf der soliden Matratze auf einer dünnen Eisschicht sitzen. Gleich bricht sie ein, und das war's dann. 

Game over.

Wie bei Papa, als er in diese Gletscherspalte gefallen ist.

"Alles in Ordnung?", fragt Nat.

"Na ja..."

Nat blickt auf den Umschlag, der immer noch ungeöffnet auf der Bettdecke liegt.

"Ich lass dich mal kurz allein. Ich bin gleich nebenan", sagt sie, taktvoll wie immer.

In dem Brief kommt gleich zweimal das Wort Liebe vor, einmal am Anfang und einmal am Ende, aber jedes Mal in verschlüsselten Satzkonstruktionen, die ich wegen des Rumorens in meinem Kopf nicht verstehe. Ferner einmal Aporie und einmal Ausweglosigkeit, was, glaube ich, genau dasselbe bedeutet. Und auch einmal: Aussichtslosigkeit.

Dann plötzlich: Hoffnung (ein Mal). Gleich darauf aber: Drei Mal Verzweiflung, vier Mal Zweifel. Mehrmals auch als Verb: zweifeln und verzweifeln.

Es ist von lauten Stimmen die Rede, die sich in Pedros Kopf gegenseitig übertönen, auch in meinem Kopf wird es immer noch lauter, so muss sich der antarktische Ozean anhören, wenn die Eisschollen gegeneinander krachen. Um zur Ruhe zu finden und einen kühlen Kopf zu bekommen, ist Pedro für ein paar Tage in ein Kloster eingekehrt, aber es scheint nicht zu klappen, der Kopf bleibt heiß und laut. Es ist alles ziemlich kryptisch formuliert und klingt unterm Strich nach Abschied.

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