Sonntag, 20. August 2017

Rezension: "Anschlag von rechts" von Reiner Engelmann

Daten zum Buch:
erschienen am: 22. Mai 2017
Verlag: cbj
ISBN: 9783570174371
192 Seiten
Preis: 14,99 € (HC)
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Zum Inhalt:
Irgendwo in einer Kleinstadt mitten in Deutschland treffen sich drei Freunde auf ein Feierabendbier. In den sozialen Netzwerken haben sie sich schon an ausländerfeindlichen Pöbeleien beteiligt. Nun werden sie zu Verbrechern, denn wenige Stunden später werfen sie einen Molotowcocktail in eine Flüchtlingsunterkunft. Die Bewohner, darunter auch Kinder, entkommen nur knapp.

Reiner Engelmann recherchiert die Hintergründe dieser schrecklichen Tat. Er analysiert die Beweggründe und er befragt die Opfer, die sich in Deutschland endlich sicher gefühlt hatten. Dabei wird deutlich: rechtes Gedankengut und Fremdenfeindlichkeit sind in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen und viel zu lange unbeachtet geblieben.
(Klappentext)
 
Meine Meinung:
Seit der Flüchtlingskrise 2015 gab es eine vierstellige Anzahl von Übergriffen auf Flüchtlingsheime in Deutschland. Fremdenfeindliche Parteien wie die AfD gewinnen immer mehr Wählerstimmen, und in Städten wie Dresden gehören Protestmärsche Rechtsradikaler mittlerweile zum Alltag.

Reiner Engelmann ist Autor zahlreicher Publikationen zu Brennpunktthemen. Sein neues Jugendbuch basiert auf einer wahren Begebenheit. Der Autor hat mit betroffenen Flüchtlingen gesprochen und durch seine Recherchen interessante Einblicke in die Psyche rechtsradikal motivierter Täter und deren Familienangehörigen gewonnen.

Das Buch ist chronologisch aufgebaut. Nachdem stellvertretend für alle Opfer die Schicksale von fünf Flüchtlingsfamilien vorgestellt wurden, lernt der Leser die drei Täter kennen und wie es zur Tat kommt.  Es folgen Vernehmungen, Untersuchungshaft, Prozess und Verurteilung. Im Anhang gibt es noch einen Exkurs über Fluchtursachen sowie ein Glossar über Symbole und Codes aus der neonazistischen Szene

Auch wenn die Gefühle der Flüchtlinge nach dem Anschlag wiedergegeben werden, liegt der Fokus ganz klar auf den Tätern. Man erhält einen Einblick in die Psyche der beiden Männer und der Frau, die die Tat gemeinsam begangen haben. Hierbei kommen auch andere soziale Probleme wie Arbeitslosigkeit und Alkoholismus zur Sprache. Allen dreien gemein ist, dass sie eher ungebildet sind, aus der unteren sozialen Gesellschaftsschicht kommen und nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Sie sind leicht beeinflussbar und anfällig für "Stammtischparolen".

Interessant fand ich auch, dass Familienangehörige zu Wort kommen. So werden die Verhältnisse, in denen die Täter leben, nochmal genauer beleuchtet. Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass die Täter keine Stereotypen sind, wie man sie sich vorstellt. Es wäre meiner Meinung nach gut gewesen, auch Täter aus anderen sozialen Schichten und mit höherer Bildung kennenzulernen. Aber gut, die Geschichte orientiert sich eben an einem realen Fall, und ein Großteil der Neonazis stammt nunmal eher aus der unteren Schicht.

Engelmanns Schreibstil ist nüchtern und unaufgeregt. Er nimmt keine Wertung vor und gibt so dem Leser die Möglichkeit, sich selbst eine Meinung zu bilden. Ich wurde so einerseits nicht von den Figuren berührt, aber das fand ich völlig in Ordnung, denn so war es mir andererseits möglich, alle Geschehnisse rein objektiv zu betrachten. Ich persönlich finde das bei einem solch komplexen Thema wichtig.

Das Buch richtet sich an Leser ab 13 Jahren, und ich kann mir "Anschlag von rechts" sehr gut als Schullektüre für Jugendliche vorstellen.

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an das Bloggerportal von Randomhouse für dieses Rezensionsexemplar!

1 Kommentar:

  1. Hi,
    Danke für die tolle Rezi. Das Buch landet auf meiner Beobachtungsliste.
    Lg
    Denise

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