Mittwoch, 21. Juni 2017

Rezension: "Meschugge sind wir beide. Unsere deutsch-israelische Liebesgeschichte" von Claudia S. C. Schwartz

Daten zum Buch:
erschienen am: 9. Juni 2017
Verlag: Eden Books
ISBN: 9783959100755
256 Seiten
Preis: 14,95 € (SC)
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Zum Inhalt:
Als Claudia Shaul kennenlernt, geht alles ganz schnell: Die deutsche Schauspielerin und der israelische Komponist verlieben sich ineinander. Doch Shaul ist der Enkel eines Holocaustüberlebenden und Claudias Großvater war Wehrmachtssoldat im Nationalsozialismus. Ist ihre Liebe zu verrückt? Zu meschugge? Gemeinsam erkunden Claudia und Shaul die Geschichten ihrer Familien und begeben sich auf eine turbulente Reise durch Deutschland und Israel. Irgendwo zwischen Spätzle und Hummus, Klein- und Großfamilie sowie schwäbischer Korrektheit und israelischer Chuzpe findet das junge Paar nicht nur seine Vergangenheit, sondern auch seine Zukunft.
(Klappentext)

Meine Meinung:
Sowohl Claudia als auch Shaul waren mir auf Anhieb sympathisch. Man kann gar nicht anders, als sie zu mögen, und hätte solch ein Pärchen gerne im eigenen Freundeskreis.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm zu lesen. Er ist lebendig, mit vielen Dialogen, und Claudia Schwartzs Humor ist toll, nicht zu flapsig und plump. Sie erzählt mit einem Augenzwinkern und viel Selbstkritik und -ironie.

Der Autorin gelingt es, nicht nur ihre eigene Geschichte zu erzählen, sondern dem Leser dabei auch die jüdische Kultur näher zu bringen, für Respekt, Toleranz und Offenheit zu werben. Schwartzs Emotionen werden unverfälscht wiedergegeben, und das ist das Charmante an ihr und diesem Buch. Zusammen mit ihr lernen wir Shaul kennen (und lieben), treffen seine Familie, bereisen Israel - einmal in der Vergangenheit mit unschönen Erlebnissen, und dann als Teil einer israelischen Familie mit wunderschönen Momenten - und landen letztendlich vor dem Traualtar mit einem etwas beschickerten Pfarrer Manske (meinem persönlichen Helden in diesem Buch, hehe).

Untrennbar verbunden mit Claudia und Shaul sind auch die Geschichten ihrer Vorfahren. Und so erleben wir mit Shauls Großeltern den Holocaust und kämpfen mit Opa Fritz im Schützengraben. Auch wenn dieses Buch sonst sehr humorvoll ist, so hauen diese Kapitel wirklich rein. Sie erzählen von großem Leid, und man ist wohl als Leser eines meist eher heiteren Buches nicht darauf vorbereitet, von so viel Grausamkeit zu lesen. Es ist, als würde man beim Lesen plötzlich in ein stilles Grau hineingezogen, bevor man wieder in das bunte Hier und Jetzt zu Claudia und Shaul zurückkehrt.

Fast jede jüdische Familie in Israel hat damals Angehörige verloren. Und so schwebt über Claudias und Shauls Beziehung auch immer ein bisschen das Damoklesschwert des Holocausts. Dass Shauls Freunde und Familie einer Verbindung mit einer Deutschen etwas skeptisch gegenüber stehen, hatte ich erwartet. Wobei Claudia von fast allen mit offenen Armen empfangen wurde. Aber dass auch deutsche Freunde und Bekannte Shaul, der noch nichtmal den "typischen" Juden verkörpert, mit Vorurteilen begegnen, hätte ich weniger erwartet. Auch, dass solche Verbindungen eher selten sind und sogar bei Fremden auf Ablehnung stoßen, hat mich überrascht. Allerdings ist es ja leider kein Geheimnis, dass es in diesem Land noch immer zu viele Antisemiten gibt. Von daher ist dies nicht nur eine weitere kulturübergreifende Liebesgeschichte, sondern auch der Versuch, eine Brücke zwischen zwei Völkern zu schlagen, die eine sehr unschöne gemeinsame Vergangenheit haben.

Mit "Meschugge sind wir beide" liegt eine schöne Liebesgeschichte vor mit zwei sympathischen Hauptpersonen, die allen anderen zeigen, dass wahre Liebe auf kulturelle und religiöse Unterschiede pfeift. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und kann es jedem ans Herz legen. 

5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an Eden Books für dieses Rezensionsexemplar und an Claudia Schwartz für die Betreuung der Leserunde!

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