Sonntag, 26. Februar 2017

Neue Rubrik: "Simos Cover"

Ich möchte eine neue Rubrik einführen, weil ich glaube, dass sie witzig werden könnte. Vor einiger Zeit habe ich meinem Freund Simo (Ja, ohne N. ;-)) ein Buch vor die Schnauze gehalten und gefragt, worum es sich hier handeln könnte. Seine Antwort war knapp daneben, aber lustig. Und deshalb darf er das ab sofort öfter mal machen, um uns alle hier zu unterhalten. :-D

Kurz zu Simo: Er ist 36, Ingenieur und liest fast ausschließlich Fachliteratur bzw. Magazine. Er mag auch Bücher, findet aber keine Zeit dafür, zumal er Lesen nicht gerade als Entspannung betrachtet. Er leidet sehr unter meiner Büchersucht, baut aber trotzdem ab und an ein Regal für mich, weil er keine andere Wahl hat, denn sonst fliegen die Bücher wirklich überall herum mich so sehr liebt.

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Also, es geht los mit folgendem Cover:

"Götterfunke - Liebe mich nicht" von Marah Woolf 


"Es geht um eine 30-, vielleicht auch 32-jährige Frau, die die Schnauze voll davon hat, dass ihr die Männer hinterherrennen, weil sie so schön ist. Die sucht jetzt einen Typen, der sie trotz ihres Aussehens wegen ihrer inneren Werte liebt. Sie ist natürlich so gottgleich und intelligent, dass niemand für sie gut genug ist..."

"Und, war ich nah dran?" - "Absolut daneben."

Worum es in dem Buch wirklich geht:

"Eigentlich wünscht Jess sich für diesen Sommer nur ein paar entspannte Wochen in den Rockys. Doch dann trifft sie Cayden, den Jungen mit den smaragdgrünen Augen, und er stiehlt ihr Herz. Aber Cayden verfolgt seine eigenen Ziele. Der Göttersohn hat eine Vereinbarung mit Zeus. Nur wenn er ein Mädchen findet, das ihm widersteht, gewährt Zeus ihm seinen sehnlichsten Wunsch: endlich sterblich zu sein. Wird Cayden im Spiel der Götter auf Sieg setzen, auch wenn es Jess das Herz kostet?" 
 
Na, wie fandet ihr Simos Interpretation? Würdet ihr auch ein Buch lesen, das den von Simo vorgeschlagenen Inhalt hat? :-D

Sonntag, 19. Februar 2017

Neuzugänge

Ich weiß nicht, wie das passieren konnte, aber jetzt haben sich doch tatsächlich wieder klammheimlich ein paar neue Bücher in meine Wohnung geschlichten. Aber was soll ich machen? Ich bin ja gastfreundlich, und so dürfen sie natürlich bleiben!

Rezensionsexemplare


- Marah Woolf, "Götterfunke - Liebe mich nicht": In diesem Jugendbuch verliebt sich ein junges Mädchen in einen Jungen, der eigentlich eine antike Mythengestalt ist. Die griechische Götterwelt mischt hier kräftig mit. Und da ich die alten Griechen ja ganz toll finde und von Marah Woolf nur Gutes gehört habe, habe ich mir das Buch bei "Vorablesen" als Wunschbuch geholt.

- Petra Ramsauer, "Siegen heißt, den Tag überleben. Nahaufnahmen aus Syrien": Ein leider sehr aktuelles und schwieriges Thema, das der K&S-Verlag hier aufarbeitet. Alleine das Cover zeigt schon, in welche Richtung das Buch geht. Keine leichte Lektüre, die man mal eben abends im Bett wegschmökert. Ich lese es gerade im Rahmen einer Leserunde auf LovelyBooks.


Ertauscht


- Mehrnousch Zaeri-Esfahani, "33 Bogen und ein Teehaus": Dieses feine Buch über eine Kindheit im Iran der 1970er Jahre und eine Flucht nach Deutschland habe ich spontan beim Stöbern auf Tauschtickt für 2 Tickets ertauscht.

- Niki Glattauer, "Best of Schule. Zum Weinen lustig, zu Lachen traurig": Von Glattauer habe ich bereits "Mitteilungsheft: Leider hat Lukas..." gelesen und fand das ganz nett. Dieses Buch über das österreichische Schulsystem habe ich auch spontan für 2 Tickets ertauscht.


Gekauft


- Hanna Dietz, "Wie Buddha in der Sonne": Ein misslungener Urlaub, das hört sich doch ganz nach leichter Lektüre für den Strand an. Nicht, dass ich dieses Jahr mal an den Strand fahren würde, aber es ist immer gut, ein Strandbuch zu haben, wenn's dann doch so weit ist. ;-) 

- Anna McPartlin, "Die letzten Tage von Rabbit Hayes": Der Klappentext hat mich schon lange überzeugt, umso mehr habe ich mich gefreut, als ich es bei Hugendubel als ME für 2,99 € gesehen habe.

- Jonas Jonasson, "Die Analphabetin, die rechnen konnte": Dieses Buch habe ich schon länger auf meiner Wunschliste, obwohl ich nicht weiß, ob mir Jonas Jonasson als Autor so zusagt. Gekauft im Oxfam-Shop für 4,50 €. 

- Susan Juby, "Der Tag, als wir begannen, die Wahrheit zu sagen": Dieses Jugendbuch steht auch schon länger auf meiner Wunschliste, deshalb habe ich es auch im Oxfam-Shop für 3,50 € mitgenommen. Obwohl ich es generell ja bedenklich finde, wenn Leseexemplare verkauft werden, aber da es sich um einen Wohltätigkeitsladen handelt, sehe ich das nicht so eng.

- Dr. Marco Moor, "Lesen Sie mich durch, ich bin Arzt!": Den Titel fand ich schon recht witzig, und ich mag Erzählungen dieser Art. Ebenfalls im Oxfam-Shop für 1,50 € mitgenommen.

- Nicki Schirm, "Der Doktor und 'ne Menge Vieh": Und noch ein Arzt, diesmal ein Tierarzt vom Lande. Der hat bestimmt auch vieles zu erzählen. ;-) Dieses Buch habe ich im 1-Euro-Shop gefunden.

- Günter Huth, "Der Todeswind der blauen Zipfel oder Die missliche Wahl der Miss Grafeneckart": Dieses Buch ist von einem fränkischen Autor, der hier eine Satire über das Rathaus Würzburg abliefert. Und wer arbeitet im Rathaus Würzburg und findet sowas deshalb witzig? Ich. :-) Der Grafeneckart ist übrigens der historische Turm des Rathauses. 


Sodele, das war's mal wieder für heute. Kennt ihr was davon bzw. würde euch auch etwas davon interessieren?

Sonntag, 12. Februar 2017

Erfahrungsbericht: Buch-Upcycling

Letzten Mittwoch habe ich einen Kurs an unserer Stadtbücherei belegt. Thema war "Buch-Upcycling: Kunstobjekte, Dekoration, Alltagsgegenstände aus Büchern gebastelt, gefaltet und geklebt".

Ich weiß gar nicht, was in mich gefahren ist, dass ich mich für sowas überhaupt angemeldet hatte, denn ich habe zwei linke Hände. Basteln, falten, kleben - es gibt nichts, was ich auch nur ansatzweise könnte! Ich bin quasi ein Bastel-Invalide, ein Falt-Aschenblödel, ein Klebe-Trottel.

Die (potentiellen) Todeskandidaten - Oh Gott, es tut mir sooooo leid!!! *heul*

Geleitet wurde der Kurs von einer regionalen Künstlerin, die in Würzburg eine mir bis dato unbekannte Werkstatt hat, in der sie Möbel und andere Kunstwerke aus Holz oder eben Papier herstellt. (Memo an mich: Demnächst mal die Werkstatt aufsuchen und Kunstwerke bestaunen.)

Es kamen 15 Teilnehmerinnen und ein Teilnehmer, es war also eine große Runde. Wir unterhielten uns erstmal allgemein über das Zerstören von Büchern *fieep* und was man so aus Papier alles machen könnte. Wir sollten uns aus dem Haufen ausgemusterter Bibliotheksbücher ein Buch aussuchen, das wir gerne retten wollten, und eines, das man gerne zerschneiden kann. Wie die meisten, entschied ich mich als schützenswertes Objekt für einen schönen Bildband.
Englischer Roman und Manga mussten dran glauben,
der darunter liegende Fotoband wurde von mir gerettet.

Die Kursleiterin teilte uns dann in drei Gruppen ein: Mütze, Schmuck, Lampenschirm. Ich bin in die Gruppe, die Schmuck basteln sollte. Und hier war dann auch der Knackpunkt, weshalb mir der Kurs nicht sooo sehr gefallen hat: Wir bekamen keine Anleitung und sollten einfach auf gut blöd selbst losbasteln. Hier teilte sich die Spreu vom Weizen. Während einige sofort loslegten und vor Kreativität nur so sprühten, saßen andere recht planlos da und machten Verlegenheitsbasteleien, die ein bisschen an eine Bastelrunde im Kindergarten erinnerte, oder gleich gar nix. Ratet mal, zu welcher Kategorie ich gehörte? (Siehe oben, unter 2.)

Letztendlich verbrachte ich die Zeit dann damit, mit einer einfachen Falttechnik ein Buch durchzufalten. Das sah dann auch ganz schön aus. Man kann die gefalteten Bücher z. B. als Zettelhalter nehmen. Oder eben einfach als Deko.

Später stellten dann die verschiedenen Gruppen ihre Ergebnisse vor. Es gab ganz hübsche Sachen, von denen aber das meiste eher in die Kategorie "rudimentäre, unpraktische Pseudo-Kunst" fiel. Ich glaube, ich war nicht die Einzige, die etwas enttäuscht war, dass wir ohne Anleitung kopflos herumbasteln sollten und letztendlich nicht wirklich was Schönes zum Mitnehmen herauskam.

So sieht Kreativität aus!

Alles in Allem war der Workshop ganz ok. Es war ganz lustig und auch nett, mit anderen Bücherfreunden zusammenzusitzen und sich zu überwinden, Bücher zu zerstören. Ich hätte aber gerne eine Anleitung gehabt und etwas Neues gelernt, mit dem ich was richtig Schönes basteln könnte. Ich bin halt leider jemand, dem man klipp und klar sagen muss, dass er das so und so machen muss. Von alleine krieg ich da nix Vorzeigbares gezaubert.

Die Kursleiterin meinte zum Schluss, dass das nicht so gedacht war, sondern in uns einfach die Kreativität geweckt werden sollte. Bei einigen ist ihr das auch gelungen, glaube ich. Aber ich persönlich habe leider nicht wirklich etwas Nützliches gelernt, außer eben die Falttechnik, die aber so simpel ist, dass ich sie mir auch schnell per Internet/Buch hätte aneignen können. 

Links habe ich vorher den Einband entfernt, rechts habe ich das Buch einfach
aufgeklappt. Ich finde die rechte Variante schicker und praktischer, da sie flach
aufliegt. Und jahaaa, das ist nicht akkurat gefaltet, aber ich sag ja, ich bin ein
Falt-Aschenblödel, und ich finde es eigentlich auch hübsch so.

Habt ihr schonmal Buch-Upcycling gemacht? Oder würde euch so ein Kurs (in dieser Form oder mit Anleitung) interessieren?

Sonntag, 29. Januar 2017

Neuzugänge

Nichtmal einen Monat ist es her, seit ich meine letzten Neuzugänge gezeigt habe. Und ich habe mich bezüglich Rezensionsexemplaren sehr zurückgehalten. Ich habe mich auch kaum auf Leserunden beworben, da ich erstmal meine jetzigen REs aufarbeiten wollte. Das ist mir gelungen, ich bin jetzt wieder ziemlich up-to-date und lese viel entspannter als in den letzten Monaten, wo ich einen kleinen Durchhänger hatte und das Gefühl, ich lasse Verlage bzw. Autoren viel zu lange warten (Obwohl es die meisten gar nicht so sehen, aber ich setze mich da immer gerne selbst unter Druck...).

Aber das ein oder andere Schätzlein durfte dennoch bei mir einziehen. Hier sind sie:

Gewonnen


Kirsten Boie, "Thabo - Detektiv und Gentleman": Dieses schöne Jugendbuch habe ich im Oetinger-Adventskalender gewonnen. Eigentlich wollte ich es meiner 10jährigen Nichte schenken, aber im Moment haben Bücher ohne Pferde eher schlechte Karten bei ihr. Da ich jedoch die Geschichte selbst gerne lesen möchte, bleibt es erstmal hier und wird dann nach der Lektüre weiterverschenkt an die eigentliche Zielgruppe. ;-)


Geschenke


- Günter Huth, "Der Schoppenfetzer und der Narrenwein": Das ist der 15. Teil der Krimreihe um einen pensionierten Kriminalkommissar in Würzburg. Ich liebe diese Reihe einfach, auch wenn sie vielleicht eher ältere Semester anspricht. Aber ich mag es total, mit Kommissar Rottmann durch Würzburg zu spazieren und Leichen zu finden. :-D Habe ich zum Geburtstag von einer Freundin geschenkt bekommen. 

- "Ägyptens Schätze entdecken. Meisterwerke aus dem Ägyptischen Museum Turin": Dieser Katalog zu einer schönen Ägypten-Ausstellung, die ich vor einigen Jahren in Speyer gesehen habe, war ein Weihnachtsgeschenk. Als Ägyptologin sammle ich Ausstellungskataloge. :-)

- Kathryn Cave & Chris Riddell, "Irgendwie anders": Dieses putzige Kinderbuch habe ich von einer ebenfalls bücherverrückten Freundin bekommen. Ehrlich gesagt kannte ich Chris Riddell nicht, aber er ist der Lieblingsillustrator meiner Freundin, und neulich ist sie zu einer Signierstunde und hat mir dieses signierte Buch mitgebracht. Ich liebe signierte Bücher! :-)


Ertauscht


- Monika Peetz, "Ausgerechnet wir": Da bin ich beim täglichen Stöbern auf Tauschticket zufällig drüber gestolpert und habe es mir für 1 Ticket spontan ertauscht.

- Emily Trunko & Lisa Congdon, "Ich wollte nur, dass du noch weißt": Darüber bin ich auch zufällig gestolpert. Ich kannte das Blogprojekt noch gar nicht, bei dem Leute anonyme Briefe einschicken können. Ich finde die Idee ganz süß, das Buch ist auch echt hübsch aufgemacht. (3 Tickets)


Prämie von "Was liest du?"


Christopher Many, "Hinter dem Horizont rechts": Ich denke mal, so ziemlich jeder, der bei "Was liest du?" aktiv ist und schon einige Punkte angesammelt hat, kennt das (Luxus-)Problem, dass es selten neue Prämien gibt. Scheinbar gab es Ende November/Anfang Dezember(?) einige neue Prämien, die wohl in wenigen Stunden wegwaren. Ich habe das erst viel später gesehen, aber dieser schöne Reisebericht war aus mir unerfindlichen Gründen wochenlang Ladenhüter. Glück für mich, denn ich finde das Buch durchaus interessant und freue mich, dass es ich eintauschen konnte. :-)  


Gekauft


- "Unglaubliches Punkt-zu-Punkt-Malbuch für Erwachsene": Endlich gab es mal wieder einen großen Restewühltisch beim Hugendubel. Und da habe ich dieses lustige Malbuch gefunden. Die normalen mag ich nicht, da ich nicht gerne ausmale. Aber stumpfsinnig Punkt für Punkt verbinden, das ist doch genau was für mich. ;-) Hat als Mängelexemplar 2,00 € gekostet.

- "Nürnberg erleben": Diesen kleinen Stadtführer habe ich im "Oxfam Shop" für 1,50 € gekauft, da meine Schwester in Nürnberg wohnt und ich da ab und an mal bin.

- Sara Barnard, "Wunder, die wir teilen": Dieses Jugendbuch klang auch ganz interessant, und deshalb habe ich es ebenfalls bei Oxfam spontan mitgenommen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, wieviel es gekostet hat...

- "Die Tagesschau. Das große Deutschlandbuch": Ich lerne immer wieder gerne dazu, und ich mag Bücher, die Wissen unterhaltsam und anschaulich vermitteln. Im Sozialkaufhaus für 1,50 € mitgenommen.

- Andreas Nohr, "Lusamgärtlein. Vier Liebesgeschichten": Dieses Büchlein habe ich auch bei Hugendubel für 2,00 € (ME) mitgenommen. Das Lusamgärtlein ist hier in Würzburg ein kleiner, versteckter Hinterhof als Teil eines Kreuzganges, in dem Walther von der Vogelweide 1230 begraben wurde.  

- Marjorie Celona, "Hier könnte ich zur Welt kommen": Dieses Buch habe ich damals schon, als es 2014 herauskam, ins Auge gefasst. Als es jetzt bei Hugendubel für 2,00 € verkauft wurde, habe ich zugeschlagen.


Sodele, das war es für heute. Ok, also ich habe mich jetzt nicht sooooo arg zusammengerissen. Aber wer kann denn auch bitteschön bei diesen tollen Büchern widerstehen?

Dienstag, 24. Januar 2017

Rezension: "Phillips letztes Geschenk" von Christiane Lind

Daten zum Buch:
erschienen am: 8. November 2016
Verlag: Amazon Publishing
ISBN: 9781503942509
188 Seiten
Preis: 7,99 € (TB)
Hier geht's zur Autorenseite!

Zum Inhalt:
Die introvertierte Carolin bindet sich nicht gerne an andere Menschen. Einzig ihr Mann Phillip ist für sie wichtig. Doch Phillip ist schwer krank und stirbt, und Carolin weiß nicht wohin mit sich und ihrer Trauer.

Doch Phillip hatte vor seinem Tod einen Plan, seine geliebte Frau wieder zurück ins Leben zu holen. Eines Tages sitzt ein kleiner Kater vor Carolins Tür, Phillips letztes Geschenk an sie. Widerwillig kümmert sich Carolin um den Kleinen, und ganz langsam schleicht er sich in ihr Herz. Und nach und nach lernt Carolin, mit ihrer Trauer zu leben und sich anderen Menschen zu öffnen.

Meine Meinung:
Christiane Lind ist eine dieser Autorinnen, bei denen ich mittlerweile nach der Lektüre von bislang drei Büchern aus verschiedenen Genres einfach weiß, dass mir der Schreibstil gefällt. Er ist lebendig und lässt sich sehr flüssig lesen. Ihre Charaktere zeichnet sie detailliert und liebevoll. Carolins Trauer und Schmerz konnte man gut nachempfinden.  

Anfänglich ist die Protagonistin wenig sympathisch. Sie ist extrem introvertiert, richtiggehend abweisend. Ihr Mann war ihr stets genug, wollte sie sich doch sowieso nie an jemanden binden, denn damit macht man sich nur verletzlich. Doch nach und nach öffnet sie sich, auch gezwungenermaßen, anderen Menschen. Sie macht im Laufe der Geschichte eine sehr starke Wandlung durch und findet wieder zurück ins Leben, mehr noch, sie ändert ihre Einstellung gegenüber zwischenmenschlichen Beziehungen und lässt sich endlich auf andere ein, egal, ob Tier oder Mensch. Schön ist dabei, dass es wirklich allein um Carolin geht, um neue Freundschaften und nicht um eine Liebesgeschichte mit einem neuen Mann. Das hätte ich nicht passend gefunden.

Der kleine namenlose Kater ist natürlich der heimliche Star des Buches. Er wird jedoch nicht unnötig vermenschlicht und darf Katze bleiben. Auch das fand ich gut. Die Fellnase spielt eine große Rolle und ist - wie von Phillip erhofft - Auslöser für Carolins Wandlung. Aber es geht in erster Linie eben doch um Carolin und ihren Trauerprozess.   

Einen Kritikpunkt habe ich jedoch: Phillip ist für meinen Geschmack viel zu perfekt. Auch wenn Carolin selbst merkt, dass sie ihn nach seinem Tod verherrlicht, so gibt es auch objektiv betrachtet nichts Schlimmeres an diesem gottgleichen Mann als dass er seine Klamotten nicht immer ordentlich weggeräumt hat... Phillip war nicht nur optisch ein Traum, sondern auch und vor allem charakterlich. Er war lebenslustig, tolerant, verständnisvoll und hilfsbereit, ja geradezu selbstlos. Er tat und sagte immer das Richtige. Ich hätte mir auch bei Phillip ein paar Ecken und Kanten gewünscht.

Auch war mir alles etwas zu harmonisch, und dafür, wie extrem introvertiert Carolin ihr ganzes bisheriges Leben war, hat sie sich erstaunlich schnell positiv entwickelt. Aber ich kann es nicht nachvollziehen, wie sehr sich ein Mensch in solch einer extremen Situation ändern kann. Und letztendlich ist es ja auch genau das, was man der Protagonistin von Herzen wünscht.

"Phillips letztes Geschenk" ist ein emotionaler und liebevoller Roman über Trauer, Loslassen und Neubeginn. Von Christiane Lind bin ich gute und mitreißende Unterhaltung gewöhnt, und sie hat mich auch hier wieder nicht enttäuscht.

4 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an Christiane Lind für dieses Rezensionsexemplar!

Sonntag, 22. Januar 2017

Rezension: "Keine Ahnung, wo wir hier gerade sind. Mit dem Fernbus unterwegs" von Sina Pousset

Daten zum Buch:
erschienen am: 17. Oktober 2016
Verlag: Goldmann
ISBN: 9783442159079
256 Seiten
Preis: 12,99 € (SC)
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Zum Inhalt:
Ein bisschen ist das mit dem Fernbus wie mit einer durchzechten Nacht. Man kommt dehydriert und zerknautscht zu Hause an und schwört sich: nie wieder. Bis zum nächsten Mal. Denn wer billig und flexibel verreisen will, muss in den Bus. In seinem Inneren herrscht fröhliche Anarchie: Es gibt keine Sitzplatzreservierung, keine Businessclass, keine Gepäckaufgabe. Beziehungen werden kurz vor der Abfahrt in Hamburg beendet und auf dem langen Weg nach München beweint, der Fahrer steht auf Helene Fischer, und der Typ hinten links lässt garantiert seinen Geldbeutel an der Tankstelle liegen. Dennoch schwören Millionen auf den Bus. Auch Sina Pousset steigt leidenschaftlich gerne ein und erzählt in ihrem Buch hautnah vom letzten großen Abenteuer unserer Zeit – dem Fernbusfahren!
(Klappentext)

Meine Meinung:
Ich bin selbst schon mehrere Male mit dem Fernbus gefahren, und mir gefällt diese meist kostengünstigere Art des Reisens, wenngleich man es auch hier immer mal wieder mit Unannehmlichkeiten wie nervigen Mitfahrern, zu wenig Platz, Verspätungen oder Kamikaze-Busfahrern zu tun hat. Mir persönlich ist bei meinen Fahrten jedoch noch nichts Irrwitziges passiert, und deshalb war ich umso gespannter auf Sina Poussets Erzählungen.

Eines muss man der Autorin lassen: Sie scheint ihr halbes Leben im Bus zu verbringen, reist kreuz und quer durch Deutschland und hat somit natürlich schon vieles erlebt. Sie kennt sich aus und hat Routine - sollte man zumindest meinen. Allerdings ist auch Pousset nach so vielen Fahrten nicht vor den Tücken des Busfahrens gefeit. Auf den letzten Drücker am Abfahrtsort ankommen, den Bussteig nicht finden, die wichtigsten Dinge unerreichbar nach unten packen, viel zu viel Gepäck mitnehmen und Wesentliches vergessen: Die Autorin ist herrlich unperfekt und steht auch dazu. Das machte sie mir schnell sympathisch.

Auch sprachlich wird hier einiges geboten. Poussets Schreibstil ist eloquent und pfiffig, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Humor und Selbstironie. Der Humor der Autorin gefällt mir.

Mir persönlich hat das Buch jedoch inhaltlich nicht so zugesagt. Ich hatte mir auf Grund des Klappentextes heitere Anekdoten aus dem Fernbus erhofft. Diese findet man hier jedoch nur selten und dann auch nur wenige Zeilen lang. Ansonsten ist das Buch eher eine Art nicht ganz ernst gemeinter Ratgeber rund um das Thema "Reisen mit dem Fernbus". Was ja auch nicht ganz verkehrt ist, aber wie gesagt, ich hatte etwas Anderes erwartet und mir haben die Geschichten gefehlt. So fand ich es nach einiger Zeit dann doch etwas langweilig und trocken, zwischendurch verließ mich auch mal die Leselust und ich legte das Buch ein paar Tage weg. Ich muss nicht x-mal mit der vollbepackten Autorin auf den letzten Drücker zum Bahnsteig hechten, um dann ihren pseudo-philosophischen Gedankengängen zu verschiedenen Themen zu folgen. Statt stereotype Beispiele aufzuzählen, hätte ich mir mehr konkrete Erlebnisse gewünscht. Dazu dann noch die Kästen, in denen selbst erfundene Begriffe wie "Der WLAN-Infarkt" oder "Die Ruckschuld" erklärt werden, welche ich persönlich nicht witzig fand und die den Lesefluss deutlich hemmten.

Von daher ist es vielleicht ein lustiges Geschenk für jemanden, der seine erste Fahrt mit dem Fernbus noch vor sich hat. Die Autorin hat schon auch interessante Gedankengänge und ich musste ab und zu schmunzeln. Schreibstil und Humor der Autorin sind klasse. Aber ich hätte mir hier statt eines Pseudo-Ratgebers eine Sammlung erfrischender Reiseanekdoten gewünscht und wurde mit diesem Buch leider nicht warm.

3 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an Literaturtest.de für dieses Rezensionsexemplar!

Sonntag, 15. Januar 2017

Rezension: "Nujeen - Flucht in die Freiheit. Im Rollstuhl von Aleppo nach Deutschland" von Nujeen Mustafa

Daten zum Buch:
erschienen am: 10. Oktober 2016
Verlag: HarperCollins
ISBN: 9783959670753
299 Seiten
Preis: 18,00 € (SC)
Hier geht's zur Verlagsseite!

Zum Inhalt:
Was bedeutet es wirklich, ein Flüchtling zu sein, durch den Krieg frühzeitig erwachsen werden zu müssen, die geliebte Heimat hinter sich zu lassen und vom Wohlwollen anderer abhängig zu sein?

Die sechzehnjährige Nujeen erzählt, wie der syrische Krieg eine stolze Nation zerstört, Familien auseinander reißt und Menschen zur Flucht zwingt. In Nujeens Fall zu einer Reise durch neun Länder, in einem Rollstuhl. Doch es ist auch die Geschichte einer willensstarken jungen Frau, die in Aleppo durch eine Krankheit ans Haus gefesselt ist und sich mit amerikanischen Seifenopern Englisch beibringt, weil sie die starke Hoffnung auf ein besseres Leben hat. Eine Hoffnung, die sich nun vielleicht fern der Heimat in Deutschland erfüllen kann.

Es ist die Geschichte von Flucht, dem Verlust der Heimat, die Geschichte unserer Zeit – erzählt von einer bemerkenswert tapferen Syrerin, die nie aufgehört hat, zu lächeln.
(Klappentext)

Meine Meinung:
Als im Jahr 2015 der Flüchtlingsstrom seinen (vorläufigen?) Höhepunkt erreichte, war auch die 16jährige Nujeen mit ihrer Familie unter den Flüchtenden. Das Besondere und auch Beschwerliche an Nujeens Flucht ist, dass sie seit ihrer Geburt an Kinderlähmung leidet und die beschwerliche Flucht nach Europa im Rollstuhl mit Hilfe von Familie und hilfsbereiten Menschen schaffte. Wichtigste Bezugsperson ist stets Nujeens ältere Schwester Nasrine, die ihre behinderte Schwester niemals alleine lässt und sie auch durch die unwegsamstem Gelände schiebt. Ich persönlich finde, dass dieser Frau ganz besonders viel Respekt gezollt werden muss, auch wenn stets ihre kleine Schwester Nujeen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht.

Nujeens Geschichte beginnt 1999 in Syrien, als die Konflikte beginnen, die die Familie zu einem Umzug von Aleppo nach Manbidsch zwingen. Dann 2015 die Flucht in die Türkei und anschließend der lange Weg nach und durch Europa. Seit September 2015 lebt Nujeen mit ihren Geschwistern in Deutschland und versucht, ein ganz normales Leben in einem Land zu führen, in dem sie sich manchmal wie ein Alien vorkommt. 

Das Buch ist in drei große Abschnitte eingeteilt: "Syrien 1999-2014", "Europa August - September 2015" und "Deutschland 2015". Nujeens Leben in Syrien und alle Etappen ihrer Flucht werden detailreich, lebendig und anschaulich erzählt, so dass man das Gefühl hat, man wäre selbst dabei.

Die junge Frau hat Sinn für Humor und ein positives Naturell. Stets versucht sie, das Gute in allem zu sehen. Auch während der Flucht empfindet sie vieles anders als ihre Weggefährten. Sie betrachtet die lebensgefährliche Überfahrt nach Griechenland in einem Schlauchboot sogar als Abenteuer, und sie genießt es anfänglich, so viel Neues zu erleben, da sie in ihrer Heimat aufgrund ihrer Behinderung bislang nur im Haus bleiben musste. Nur wenige Male ist auch sie kurz vor der Verzweiflung.

In dieser Biographie erfährt der Leser viel Neues, nicht nur über Syrien oder die Flüchtlingspolitik in Europa. Nujeen lässt den Leser auch an ihrem umfangreichen Wissen aus allen möglichen Bereichen teilhaben. Denn sie ist trotz fehlender Schulbildung sehr intelligent und gebildet. Sie eignete sich ihr Wissen aus Büchern und dem Fernsehen an, entdeckte ihr Sprachtalent beim Schauen von Seifenopfern und kann sich äußerst gut Details wie Namen und Jahreszahlen merken.

Nujeens Geschichte steht stellvertretend für so viele Schicksale von Flüchtlingen, die sich nur eines mit ihrer meist lebensgefährlichen Reise nach Europa erhoffen: Endlich in Frieden leben zu können. Für alle Hetzer sollte diese Biographie Pflichtlektüre sein.

5 von 5 Schreiberpaletten

Vielen Dank an den HarperCollins-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!
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Hier noch das Interview bei Markus Lanz (ab 1:00:00):